• VILNIAUS PEDAGOGINIS UNIVERSITETAS


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    • Abstract: VILNIAUS PEDAGOGINIS UNIVERSITETASVOKIEÈIØ FILOLOGIJOS IR METODIKOS KATEDRAAstutë BeniulienëINTERPRETATIONLITERARISCHER TEXTEMokymo-metodinë medþiagaIV kurso studentams germanistamsVilnius 20041 UDK 803.0(075.8)

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VILNIAUS PEDAGOGINIS UNIVERSITETAS
VOKIEÈIØ FILOLOGIJOS IR METODIKOS KATEDRA
Astutë Beniulienë
INTERPRETATION
LITERARISCHER TEXTE
Mokymo-metodinë medþiaga
IV kurso studentams germanistams
Vilnius 2004
1
UDK 803.0(075.8)
Be204
Mokymo priemonë rekomenduota spausdinti VPU Vokieèiø filologijos ir
metodikos katedros posëdyje 2003 balandþio mën. 23 d., protokolo Nr. 7
Recenzavo: UKF dekanas dr. A Martinkënas ir
Vokieèiø filologijos ir metodikos katedros vedëja
doc. dr. E. Raèienë
Ðiame leidinyje pateikiama trumpa lingvostilistinës literatûrinio teksto
interpretacijos teorija ir metodika bei vokiðki tekstai ir uþduotys interpretacijos
praktikai.
Skiriama universitetø vokieèiø filologijos IV kurso studentams. Ðiuo darbu
gali naudotis taip pat kolegijø studentai germanistai bei visi, susiduriantys
su vokiðkø literatûriniø tekstø interpretacija.
ISBN 9955-516-58-5
© Vilniaus pedagoginis universitetas, 2004
2
TURINYS
Vorwort ................................................................... 5
Zur Theorie der linguostilistischen TI ................................... 6
1. Stellung der linguostilistischen TI im System der Ausbildung von
Deutschlehrern ............................................................................... 6
2. Voraussetzungen und Aufgaben der TI ........................................... 6
3. Textanalyse und Textinterpretation. Gegenstand der TI ................... 7
4. Bestimmung des Textes .................................................................. 7
5. Literarischer Text. Expressivität und Emotionalität als
Bestimmungsmerkmale des literarischen Textes .............................. 8
6. Komponenten der literarischen Texte und ihre Charakteristik ......... 8
7. Komposition und Architektonik des Textes und ihre
Zusammenwirkung ......................................................................... 9
8. Darstellungsarten literarischer Texte ............................................... 9
9. Publizistische Texte und ihre Arten ................................................ 10
10. Kurzgeschichte und Kalendergeschichte ...................................... 10
11. Rededarstellungsarten ................................................................ 12
12. Zur Methodik der linguostilistischen TI ........................................ 13
Texte und Aufgaben zur linguostilistischen TI .................... 17
1. Th. Mann: Buddenbrooks (Auszug) ........................................... 17
2. Thomas Mann: Buddenbrooks (Auszug) .................................... 20
3. Thomas Mann: Buddenbrooks (Auszug) .................................... 24
4. Heinrich Mann: Untertan (Auszug) ........................................... 26
5. Siegfried Lenz: Sozusagen Dienst am Geist (Auszug) ............... 28
6. Hermann Kant: Ein bischen Südsee (Auszug) ........................... 30
7. Hermann Kant: Okarina (Auszug) ............................................ 32
8. Günter Grass: Blechtrommel (Auszug) ..................................... 34
9. Günter Grass: Blechtrommel (Auszug) ..................................... 36
10. Heinrich Böll: Die Botschaft (Auszug) ...................................... 39
11. Heinrich Böll: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral ........... 42
12. Wolfgang Borchert: Das Brot .................................................. 45
13. Wolfgang Borchert: Die drei dunklen Könige .......................... 48
3
14. Wolfgang Borchert: Die Krähen fliegen abends nach Hause ... 50
15. Thomas Bernhard: Der junge Mann ....................................... 52
16. Kurt Marti: Meine Angst läßt grüßen ...................................... 53
17. Kurt Marti: Happy end ........................................................... 55
18. Peter Bichsel: Vom Meer ......................................................... 56
19. Peter Bichsel: November ........................................................ 57
20. Franz Kafka: Gib’s auf ........................................................... 59
21. Erwin Strittmatter: Lob auf den Juni ....................................... 60
22. Erwin Strittmatter: Die Brecht-Nessel ..................................... 62
23. Bertold Brecht: Geschichten von Herren Keuner ..................... 64
Literaturverzeichnis ...................................................................... 65
Quellenverzeichnis ....................................................................... 65
Miniwörterbuch .................................................................. 66
4
Vorwort
Das vorliegende Lehrmaterial ist an Germanistikstudenten des vierten
Studienjahres gedacht. Die linguostilistische Textinterpretation (weiter TI)
stellt auf der abschließenden Ausbildungsetappe der Germanistikstuden-
ten -Bakalaureus-eine der wichtigsten Teildisziplinen im System der sprach-
praktischen und teilweise der sprachtheoretischen Fächer dar. Das Ziel der
TI besteht in der Aneignung der Voraussetzungen zur Erschließung der Zu-
sammenwirkung von linguistischen und stilistischen Elementen und ihrer
kommunikativ-ästhetischen Funktion in literarischen und publizistischen Tex-
ten
Die TI kann nur auf der Basis eines ziemlich hohen Beherrschungsgra-
des der Fremdsprache stattfinden und ist durch einen gewissen Umfang
von Kenntnissen bedingt, die sich die Studenten in den Bereichen der The-
orie zur TI, Stilistik, Lexikologie, Literatur und Landeskunde angeeignet ha-
ben. Die TI soll ausserdem zur weiteren allgemeinbildenden, linguolandes-
kundlichen und literarischen Informationsquelle werden und das kritische
Herangehen der Lerner an das Lehrmaterial, in unserem Fall an den litera-
rischen Text, entwickeln.
Aus den Aufgaben zur TI geht hervor, dass Texte für die Interpretation
keinesfalls willkürlich gewählt werden dürfen. Sie müssen unserer Meinung
nach einige Forderungen erfüllen, die sich wie folgt verallgemeinern las-
sen:
• Texte sollen informationsreich, aktuell und interessant sein
• sie sollen eine reiche linguostilistische Ausgestaltung aufweisen bzw.
sich durch ein ausgeprägtes nur für den gegebenen Text relevantes lin-
guostilistisches Merkmal auszeichnen
• sie sollen zur Charakteristik der typischen Stilzüge des gegebenen Au-
tors verhelfen,
• methodisch als auch psychologisch den vorgesehenen Fachaufgaben
der Lerner entsprechen
• Texte sollen sowohl zur Herstellung interkultureller Beziehungen als auch
zur Aktualisierung des Ideengehaltes eine Möglichkeit bieten.
Ein Text kann kaum allen o. e. Forderungen entsprechen. Wir sollen
aber bei der Wahl der Texte wenigstens zwei drei Merkmale anstreben.
In dem vorliegenden Lehrmaterial haben wir die Autoren und Texte
gewählt, die unseres Erachtens den o. e. Forderungen am nächsten ste-
hen.
Ein jedes literarisches Genre weist seine relevanten interpretationsspe-
zifischen Merkmale auf, die bei der TI von entscheidender Bedeutung sein
können. Aus diesem Grund ist die Reihenfolge der Autoren und ihrer Texte
sowohl auf das literarische Genre und Darstellungsart als auch auf Chrono-
5
logie bezogen, aber in keinem strengen Sinn. Von einem jeden Autor wer-
den je ein oder zwei Texte zur Auswahl angeboten, und es wird dem Kolle-
gen überlassen, welche Autoren, in welcher Reihenfolge und wieviel Texte
er mit den Lernern zusammen interpretiert, welche er zur selbständigen
Analyse aufgibt und auf welche er verzichtet.
In dem Lehrmaterial werden Texte aus dem klassischen und modernen
Roman, aus Erzählungen, Kurzgeschichten und Kalendergeschichten dar-
geboten.
Das Lehrmaterial besteht aus einem theoretischen Teil, wobei zu Zwec-
ken der Wiederholung kurz auf die wichtigsten Fragen zur Theorie der Lite-
ratur, der Lexikologie, der Stilistik und der TI sowie auf Methodik des Inter-
pretationsprozesses eingegangen wird und aus einem praktischen Teil, in
dem Texte und Aufgaben zur Interpretationsarbeit stehen. Die Arbeit wird
mit einem Miniwörterbuch der Termini zur linguostilistischen Textinterpreta-
tion abgeschlossen.
Der Kollege soll selbst entscheiden, nach welchen Methoden er am Wort-
schatz arbeitet, welche Gesichtspunkte in dem empfohlenen Interpreta-
tionsschema er für wichtig hält und wie er im Großen und Ganzen zur
allgemeinen linguostilistischen Charakteristik des gegebenen Textes kommt.
Zur Theorie der linguostilistischen TI
1. Stellung der linguostilistischen TI im System der Ausbildung
von Deutschlehrern
Die TI bildet in vielen Ländern den festen und wichtigen Bestandteil der
Curricula im DaF-Unterricht. Sie stellt eine der wichtigsten Fachdisziplinen
auf der Abschlussetappe der Germanistenausbildung dar. In der TI sehen
wir eine Brücke zwischen Literatur und Sprachwissenschaft. Durch TI wird
der Integrationsprozess der einzelnen Sprachfächer verwirklicht und geprüft.
2.Voraussetzungen und Aufgaben der TI
Die wichtigste Voraussetzung für die TI ist eine eingehende philologis-
che Ausbildung des Interpreten. Er muss über gute Sprechfertigkeiten
verfügen und sich theoretischer Basiskenntnisse in Literatur, Stilistik, Lexi-
kologie, TI, Landeskunde usw. bedienen können. Die kommunikativ-ästhe-
tische Wirkung des Textes ist ebenfalls von der Intelligenz, Ausbildung, Al-
ter und Emotionalität sowie Erfahrung und anderen subjektiven Faktoren
abhängig.
Eines der wichtigsten Ziele der TI ist die Aneignung der theoretischen
und praktischen Voraussetzungen zur Erschliessung der Zusammenwirkung
von linguistischen und stilistischen Elementen und ihrer kommunikativ-ästhe-
tischen Funktion in literarischen Texten. Die TI als theoretisches und stark
praxisbezogenes Fach des DaF -Unterrichts verfolgt folgende Aufgaben:
6
• Weitere Vertiefung und Erweiterung des Wortschtzes, Vervollkommnung
der Sprech-und Schreibfertigkeiten der Lerner
• Entwicklung des tieferen Verständnises von sprachlichen Ausdrucksfor-
men und ihrer Erklärung sowie von der Relation zwischen Sprache und
Literatur
• Der Student soll lernen, den Individualstil der einzelnen Autoren zu er-
kennen, zu vergleichen und zu erklären
• Es soll die Fähigkeit des kritischen Herangehens an den Text allgemein
und an den Text als Lehrmaterial entwickelt werden
• Es soll die Grundlage für ästhetische literarische Kultur gelegt werden
3.Textanalyse und Textinterpretation. Gegenstand der TI
Die meisten Linguisten halten die Termini Textanalyse und Textinterpre-
tation auseinander.
Textanalyse fassen wir als Texterkennen und Textinterpretation als Tex-
tverstehen auf. Analyse bedeutet systematische Untersuchung eines Ge-
genstandes oder Sachverhaltes hinsichtlich aller einzelnen Komponenten
oder Faktoren, die ihn bestimmen. Bei der TA gewinnen wir zunächst einen
ersten Eindruck über inhaltliche, formale und nur teilweise stilistische Kom-
ponenten des Textes.
Interpretation bedeutet Auslegung , Erklärung, Deutung. Bei der TI wird
der Versuch unternommen, die Zusammenwirkung des Inhalts, der Form
und ihrer kommunikativ-ästhetischen Funktion im Text zu bestimmen. Das
bedeutet, welches Wort, in welchem Zusammenhang, mit welcher Absicht
und Wirkung gebraucht wird. Dabei verflechten sich die lexikalische und die
stilistische Ebene des Textes und bilden eine Einheit, die als solche auch
interpretiert werden soll. Aus diesen Gründen halten wir uns an den Termi-
nus linguostilistische Textinterpretation.
Den Gegenstand der TI bildet die Erschliessung des Textes unter dem
inhaltlich-formellen und linguistisch-stilistischen Aspekt.
4. Bestimmung des Textes
Was ist ein Text? In der sprachwissenschaftlichen Literatur gibt es bis
jetzt keine einheitliche Meinung über die Definition des Textes. Der Text
wird als eine sprachliche Einheit aufgefasst. Wie jede sprachliche Einheit
hat der Text zwei Aspekte: Inhalt und Form. In der Linguistik wird als Text
jede wohlgeformte relativ selbständige sprachliche Äusserung, die einen
Sinn ergibt, bezeichnet.
Da der Gegenstand der TI der literarische bzw. publizistische Text ist, so
kommt zu den Komponenten Inhalt und Form noch eine dritte hinzu: der
kommunikative Effekt bzw. die stilistische Wirkung des Textes. H.Glinz be-
zeichnet das als kommunikativ-funktionale Basis bzw. den kommunikati-
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ven Charakter des literarischen Textes. Dabei versteht er die Beziehung
zwischen dem Hersteller und dem Benutzer. Mit dem literarischen Text setzt
sich der Hersteller zum Ziel nicht nur die Vermittlung der Information, son-
dern auch die Befriedigung der ästhetishen und emotionalen Anforderun-
gen des Benutzers.
Vom Standpunkt der TI aus kann man den Text als jede wohlgeformte
relativ selbständige sprachliche schriftliche und mündliche Äusserung, die
einen Sinn ergibt und expressive und/oder emotionelle stilistische Wirkung
ausübt, bezeichnen.
5. Literarischer Text. Expressivität und Emotionalität als Bestim-
mungsmerkmale des literarischen Textes
Bei der Bestimmung der literarischen bzw. künstlerischen Texte geht man
wie o. e. von der Beziehung des Herstellers und des Benutzers aus.Wie alle
Texte so auch die literarischen Texte erfüllen vor allem die kommunikative
Funktion, d. h. der Hersteller ist bestrebt, bestimmte Information zu vemit-
teln. Diese Aufgabe verbindet er im literarischen Text mit einer anderen
und zwar- mit einem bestimmten kommunikativen Effekt bzw. ästhetischer
und emotioneller Funktion. Die Sprache eines literarischen Textes wird nach
dem Grad ihrer Expressivität und Emotionalität charakterisiert.
Expresivität umfasst solche Begriffe wie Bildhaftigkeit und Bildlichkeit
bzw.Ausdrucksstärke. Die Materialbasis der Expressivität bildet die Wort-
wahl. Das sind vor allem solche lexikalischen Mittel wie thematische Rei-
hen, Termini, Internationalismen, Fremdwörter, Jargonismen, Dialektismen,
verschiedene Mittel der Wortbildung, Phraseologismen, Okkasionalismen
usw. Andererseits dienen der Expressivität verschiedene Mittel des stilistis-
chen Ausdrucks. Die Zusammenwirkung der lexikalischen und der stilistis-
chen Mittel ergibt die Expressivität eines Textes.
Emotionalität bzw. Impressivität bildet eine andere wichtige Kompo-
nente des literarischen Textes. Ihre Materialbasis stellen folgende lexikalis-
che und stilistische Mittel dar: Abstrakta, Zustandssubstantive, Interjektio-
nen, Kosenamen, Schimpfwörter, Pejorativa, emotionalgefärbte Lexik, Aus-
rufesätze, Fragesätze, Wiederholung, Abbruch, Verba dicendi, erlebte Re-
de usw. dar.
Die Zusammenwirkung der Expressivität und der Emotionalität ergeben
den stilistischen Wert eines künstlerischen Textes.
6. Komponenten der literarischen Texte und ihre Charakteristik
Ein jeder Text weist eine bestimmte innere und äussere Struktur auf, die
folgende Komponenten des Textes umfasst: Komposition und Architekto-
nik, Darstellungsarten und Arten der Rededarstellung. Sie bedingen weite-
re Aspekte des Textes, solche wie Stilfärbung, Expressivität, Emotionalität
u. a.
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7. Komposition und Architektonik des Textes und ihre Zusam-
menwirkung
Komposition des Textes ist eine Struktur, die aus mehreren Aspekten
besteht. Dazu gehören:
• stoffliche Organistion des Textes, d. h. Anordnung der thematischen
Einheiten, Sujetlinien, Motive, Ideen, Carakterzeichnung usw.
• Gliederung der Gesamtstruktur in architektonische Einheiten: Absätze,
Abschnitte, Kapitel, Teile, Akte, Szenen, Strophen usw.
• Darstellungsart: Schilderung, Erzählung, Bericht u. a.
• Rededarstellungsart: Autorenrede , Figurenrede, erlebte Rede.
Die Zusammenwirkung dieser Komponenten ergeben die Komposition
eines Textes.
Architektonik umfasst im engeren Sinne den äusseren Aufbau eines
Textes bzw. seine Struktur oder seine formale Gliederung.
Komposition und Architektonik eines künstlerischen Textes bilden eine
Einheit, die als solche auch interpretiert werden soll.
8. Darstellungsarten literarischer Texte
Zu den Komponenten des Textes gehört auch die Darstellungsart, d.
h. ein System von sprachlichen Mitteln zur Gestaltung des Textes.
Die Darstellungsart hängt davon ab, was dargestellt wird (Gegenstand,
Zustand, Vorgang) und wie es dargestellt wird (objektiv, sachlich, subjektiv,
expressiv, emotionell) .
Die Grundlage für die Klassifikation der Darstellungsarten bildet das
Verhältnis Sprecher-Sachverhalt einerseits und die Einstellung des Spre-
chers zum Sachverhalt andererseits. Danch unterscheidet man folgende
Arten der Darstellung: Beschreibung, Schilderung, Erzählung, Bericht und
Erörtern.
Die Basis der Beschreibung bildet Beobachtung der Vorgänge, Sachen
bzw. Menschen. Für die Beschreibung sind Genauigkeit, Verallgemeine-
rung typisch. Beschreibung trägt einen rein informativen Charakter, des-
halb ist sie weder expressiv noch emotionell. Sie ist für den Stil der Wis-
senschaft typisch, kann aber zu bestimmten Zwecken auch im Stil der
schöngeistigen Literatur verwendet werden.
Ein erlebnismäßiges künstlerisches Beschreiben wird Schilderung ge-
nannt. Die Grundlage der Schilderung ist wie bei der Beschreibung das
exakte Beobachten des Objekts, das Ziel ist aber ganz anders und zwar die
Hervorhebung des Wichtigsten, was für den Gesamteindruck von Stim-
mung, Gefühlen usw. von Bedeutung ist.
Bei der Schilderung von Menschen und Gegenständen herrscht der no-
minale Stil, die Verben spielen eine untergeordnete Rolle. Neben sachlich-
logischen Epitheta werden auch emotionell-einschätzende gebraucht. Eine
9
wichtige Rolle spielen auch weitere lexikalisch-stilistische Mittel. Bei der
Schilderung der Vorgänge sind die Verben bestimmend. Die Zeitform der
Schilderung ist Präsens bzw. Präteritum Indikativ.
Die Naturschilderung kann den Hintergrund, auf dem sich die Hand-
lung abspielt, darstellen. Dabei kann das Bild der Natur ein harmonisches
Ganzes mit den Gefühlen der handelnden Person bilden oder einen Kon-
trast dazu.
Erzählung ist eine Darstellunsart, die nicht nur Information vermittelt,
sondern auch bestrebt ist, ein Geschehen als Nacherlebtes zu erfassen und
den Leser daran teilnehmen zu lassen.
Sie wird meistens in der Ich-Form gestaltet, wobei der Erzähler eine
gespannte Situation schafft, die allmählich zur Entspannung geführt wird.
Manchmal wird eine zweite Person eingeführt, ein imaginärer Gesprächspart-
ner, womit der unmittelbare Kontakt mit dem Leser erreicht wird.
Die Erzählung ist eine kombinierte Form, in der Schilderung und Cha-
rakterisierung aufgehoben sind.
Die Hauptzeitform des Erzählens ist Präteritum. Es werden aber auch
andere Zeitformen gebraucht, um den Leser in die Geschehnisse hineinzu-
beziehen, wie: Präsens historicum, konstatierendes Perfekt bzw. Plusquam-
perfekt, Futur. Es können alle Modi gebraucht werden, von Genera wird
Aktiv vorgezogen.
Die Emotionalität verleihen der Erzählung Ausrufesätze, rhetorische Fra-
gen, Abbruch, Wiederholung. Die Wahl der Lexik hängt von der Person des
Erzählers ab.
Die Wahl der Stilmittel ist sehr gross: expressive Lexik, lexikalisch-bzw.
syntaktisch -stilistische Mittel. Die Verben bilden beim Erzählen die höchsten
Werte. Relativ groß ist die Zahl der Modalwörter, Modalpartikeln, Moda-
lausdrücke usw., die zur Steigerung der Emotionalität dienen. Die Stilfärbung
der Erzählung ist meistens umgangssprachlich.
9. Publizistische Texte und ihre Arten
Für den Stil der Presse und Publizistik sind informative Darstellungsarten
Bericht und Erörten relevant.(Siehe darüber in Voicikaitë/Beniulienë, S.9)
10. Kurzgeschichte und Kalendergeschichte
Einen interessanten und vielfältigen Interpretationsgegenstand bilden
Kurzgeschichten und Kalendergeschichten, die in der vorliegenden Abhand-
lung ebenfalls ihren Platz gefunden haben. Bei der Interpretation dieser
Texte spricht man nicht mehr von einer bestimmten Darstellungsart, son-
dern von einer eigenständigen literarischen Gattung bzw. von einer be-
stimmten Struktur-und Organisationsform der Literatur. Der Begriff Gat-
tung wird heute synonym zu dem Terminus Genre verwendet.
Kurzgeschichte (Lehnübersetzung von engl. Shot Story) enthält Mer-
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kmale der Novelle als auch der Anekdote wie der shot story. (Siehe darüber
in Nachschlagewerken der Literaturwissenschaft). Sie hat kurze bis mittlere
Form und stellt die komprimierte, offene Gestaltung eines Schicksalsbruchs
dar. Die Blütezeit der deutschsprachigen KG ist in der Zeit nach 1945. Die
direkte Nachkriegszeit ist auch literarisch gesehen eine besondere Zeit.
Das war die Zeit, für die materielle und geistige Zusammenbrüche, Unsi-
cherheit, Schwanken zwischen Skepsis und Hoffnung typisch waren. Man
suchte nach neuen literarischen Ausdrucksmöglichkeiten zur Darstellung des
gestörten und nicht geordneten Lebens. Dieser Aufgabe entsprachen am
besten die KG. Sie hat im Mittelpunkt einen knappen Ausschnitt aus bana-
ler Wirklichkeit, den sie mit Hilfe von Weglassen, Aussparen, Komprimieren
darstellt. Sie behandelt eine konkrete scharf umrissene Situation so, dass
das Wesentliche nur angedeutet wird. Dadurch gewinnen die wenigen De-
tails Verweischarakter. Der Leser muss im Stande sein, das Wesentliche
selbst zu erkennen, zu entschlüsseln und zu erschließen. Er wird gepackt
und provoziert.
Thema/ Aufbau: Die KG greift einen Ausschnitt aus dem Leben eines
Menschen auf. Im Mittelpunkt der KG steht meist ein einfaches Erreignis
aus dem Alltag eines Menschen, das aber in der KG meistens zu einem
Wendepunkt im Leben dieses Menschen wird. Dieser Wendepunkt ist meis-
tens auch der Höhepunkt der KG. Der oder die Menschen geraten in Grenz-
situationen. Oft weisen KG Rahmenkonstruktionen auf, die der Hervorhe-
bung des inhaltlich Wichtigsten dienen.
Personen: Meist werden Alltagssituationen und unidealisierte Alltags-
menschen dargestellt. Häufig sind es 2-3 Personen. Es fehlen Schilderun-
gen bzw. Charakteristiken der handelnden Personen. Meistens haben die
handelnden Personen keine Namen. Sie werden entweder durch Perso-
nennamen oder Gattungsnamen bezeichnet.
Handlungszeit/ Handlungsort: Die KG spielt meist in der Gegenwart.
Der Leser muss selbst Hinweise dafür im Text erschließen. Das gleiche gilt
auch für den Handlungsort, der oft nur angedeutet wird oder nur aus dem
Gesamtkontext entschlüsselt werden kann.
Anfang/ Ende: Der Anfang ist meistens offen. Der Leser springt ins
Geschehen. Auch der Schluss bleibt oft offen und lässt Phantasie und Inter-
pretation viel Raum.
Sprachlich-stilistische Mittel: Die gattungstypische Kürze prägt sich in
Sprache und Syntax aus. Die Wortwahl ist sparsam, schlicht, aber treffend.
Die Wortkargheit zeigt sich auch im Mangel an Adjektiven und Adverbien.
Lexikalisch-stilistische Mittel spielen in der KG eine untergeordnete Rolle.
Oft erscheinen als wichtig solche Stilmittel wie Symbol, Allegorie, Periphra-
se usw. Die KG bevorzugt syntaktisch-stilistische Mittel: kurze Sätze, Ellip-
sen, aneinandergereihte Hauptsätze (Parataxe). Da die Sprache der KG zur
umgangssprachlichen Stilfärbung tendiert, spielt bei der Gestaltung der
11
KG eine wichtige Rolle Wiederholung, die als Mittel der Hervorhebung,
Akzentuierung auftritt. Zu treffen sind auch Aufzählungen, Inversiosätze,
Endstellungen u.a. stilistische Mittel.
Zum Schluss seien noch einige wichtige Autoren der KG erwähnt:
B. Brecht, W. Borchert, H. Böll, I. Eichinger, P Bichsel, W. Schnurre, Th. Bern-
.
hard, K. Marti, A. Andersch, J. Bobrowski, G. Kunert u. a.
Kalendergeschichte beinhaltet die seit der Mitte des 19. Jh. gebräuch-
liche Sammelbezeichnung für kürzere volkstümliche Erzählungen. Sie wur-
den für Kalender zur Unterhaltung und Belehrung verfasst. Im 20. Jh. wur-
den sie auch als fingierte (frei erfundene) Kalendergeschichten geschaffen.
Sie vereinigte Elemente des Schwanks, der Anekdote, Legende oder
Erzählung und machte den Kalender zu einer beliebten Volkslektüre.
Unabhängig von ihrer früheren Publikationsform geschaffene deutsche Ka-
lendergeschichte hat ihre Meister. Das sind vor allem O.M. Graf, B. Brecht
und E. Strittmatter.
11. Rededarstellungsarten
In der Kunstprosa werden folgende Arten der Rededarstellung unters-
chieden: Autorenrede, Figurenrede und erlebte Rede.
Autorenrede ist der eigentliche Berichts-oder Erzähltext. Figurenrede
stellt dagegen Äusserungen einer im Text erscheinenden Person dar.
Grundmodus der Autorenrede ist Indikativ, die Zeitform hängt von der
Art des gesamten Textes ab. Meistens ist es Präsens bzw. Präteritum, selte-
ner Futur. Die Stilfärbung der Autorenrede ist meistens neutrallliterarisch.
Autorenrede kann in der 1. oder 3. Person gestaltet werden. Im letzten Fall
tritt der Autor in den Hintergrund, die Schilderung bzw. Erzählung wird
objektiver, nur die Wahl der lexikalischen und der stilistischen Mittel lässt
die Einstellung des Autors zum Geschilderten bestimmen. Bei der Wahl der
1. Person wirkt die Erzählung subjektiver, der Autor identifiziert sich mit
dem Erzähler und das bewirkt die Gestaltung der Autorenrede, Wortwahl,
Syntax und die Stilfärbung. Eine wichtige Rolle spielen in der Autorenrede
Verba dicendi. Eine bestimmte Wahl dieser Verben lässt die Stimmung, das
Anwachsen oder die Abschwächung der Spannung des Sprechenden zum
Ausdruck bringen, die sprechenden Personen nach ihrer Sprechart, nach
ihrem seelischen Zustand charakterisieren oder gegenüberstellen. In dem
modernen Roman verzichten oft die Verfasser auf den Gebrauch der Verba
dicendi. Die Art des Sprechens wird in solchen Fällen durch Partizip 1-2 bzw.
ein Adjektiv charakterisiert.
Figurenrede. Figurenrede ist der Text, den der Autor seinen Personen
als geäussert, oder nur gedacht, gefühlt zuschreibt.
Autoren-und Figurenrede können in ihrer Stilfärbung entweder übe-
reinstimmen oder stark von einander abweichen. Figurenrede kann als di-
rekte oder indirekte Rede gestaltet werden. Direkte Rede wird durch die
12
Autorenrede eingeführt oder sie kann die Form eines blanken Dialogs bzw.
Monologs haben. Das charakteristische Merkmal der direkten Rede ist der
Gebrauch der 1. Person und des Indikativs. In der indirekten Rede wird der
Inhalt der fremden Aussage wiedergegeben. Es werden statt der 1. Person
die 3. gebraucht, Konjunktiv statt Indikativ. Die indirekte Rede ist emotion-
sarm, sachlich, sparsam.
Sprachporträt ist ein Teil der Charakteristik der dargestellten Person durch
ihre Art sich kundzutun, wobei Alter, Beruf, Bildung, Charakter, Humor,
Lebenserfahrung, Milieu, soziale Herkunft usw. Berücksichtigung finden.
Das Sprachporträt entsteht durch das Zusammenwirken der Autoren-und
Figurenrede.
Erlebte Rede bildet eines der beliebtesten Stilmittel in der modernen
Kunstprosa. In der erlebten Rede fliessen Autoren-und Figurenrede inei-
nander. Der Autor identifiziert sich mit der handelnden Person, drückt seine
Einstellung zu ihr, sei es Sympatie, oder Spott, aus. Die erlebte Rede ist
besonders gut für die Darstellung der seelischen Probleme geeignet. Sie
dient zum Ausdruck innerer Konflikte, erregter Gedankenläufe, feiner Ge-
dankennuancen. Erlebte Rde ist ungebunden, sie verzichtet auf Verba di-
cendi, braucht keine Anführungszeichen. Modus und Tempora werden oh-
ne bestimmte Gesetzmäßigkeiten gebraucht.(Mehr darüber in: Voicikaitë/
Beniulienë, S. 11)
12. Zur Methodik der linguostilistischen TI
Wir gehen davon aus, dass bei der Arbeit an einem Text das intuitive
Erfassen und die Interpretation einander nicht ausschließen und dass der
Interpretationsverlauf von subjektiven Voraussetzungen des Interpreten be-
dingt ist und individuell gestaltet werden kann. Literarische Texte können in
kein fertiges Schema hineingedrängt werden, weil sie mannigfaltig und
einmalig sind. Trotzdem kann folgende Anleitung zum Verlauf der TI emp-
fohlen werden.
Wir gehen von zwei Arbeitsphasen aus, die den Verlauf des Interpreta-
tionsprozesses illustrieren und verdeutlichen. Sie umfassen zwei Interpreta-
tionsaspekte: den literarischen und den linguostilistischen. Luserke-Jaqui
(2002 : 46-47) verwendet dafür die Termini Makroanalyse und Mikroanaly-
se.
Makroanalyse (literarischer Aspekt) umfasst die Deutung folgender As-
pekte und ihrer Auswirkung auf den Text:
• Autor: die wichtigsten Angaben zum Leben und Schaffen
• Epoche, in der der Text entstanden ist, bzw. historische, kulturelle, poli-
tische Hintergründe
• literarische Strömung, zu der der Text gehört
• Genre des Textes
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• Lebensgeschichtlich-biographische und werkgeschichtliche (mit Hinblick
auf andere Werke des Autors) Bestimmung des Textes
• Stil des Verfassers usw.
Makroanalyse umfasst literaturwissenschaftliches Wissen und bewirkt in
einem größeren oder geringeren Maße die Komposition, Architektonik und
teilweise sprachlich-stilistische Gestaltung des Textes.
Das Hauptgewicht fällt jedoch auf linguostilistische Aspekte, zu denen
wir bedingt auch Komposition und Architektonik des Textes zählen.
Mikroanalyse (linguostilistischer Aspekt) greift auf die Erfahrungen und
Ergebnisse des textgenauen Lesens zurück. Das bedeutet, dass man sich
beim mehrmaligen genauen Lesen des Textes immer wieder die Frage
stellt, welche Funktionen das Gelesene hat.
Man fragt nach folgenden Aspekten und ihren Funktionen sowie ihrer
Zusammenwirkung im Text:
Komposition:
• Sujetlinien, ihre zeitgemässe Entwicklung (chronologische Darstellung,
Einführung von verschiedenen Zeitebenen usw. )
• Motive
• Charakterzeichnung u. a.
Architektonik:
• Gliederung des Textes in relativ geschlossene Teile, Arten der Verbin-
dung zwischen den einzelnen Teilen (kopulativ, adversativ, kausal-kon-
sekutiv usw.), Rolle der textgestaltenden Mittel im Aufbau des Textes
usw.
Darstellungsart:
• Schildern der Dinge, Vorgänge oder Zustände
• Erzählen
• Berichten
• Erörten
• kombinierte Arten der Darstellung
Rededarstellung:
• Autorenrede
• Figurenrede
• erlebte Rede
Die oben erwähnten Komponenten des literarischen Textes sind aufs
engste mit anderen Aspekten des Textes wie Stilfärbung, Expressivität und
Emotionalität verbunden.
Stlfärbung kann als stilistischer Ausdruckswert innerhalb eines funktio-
nalen Stils, der durch sein Verhältnis zur literarischen Norm und durch emo-
14
tionalen Gehalt gekennzeichnet wird, bestimmt werden. Sie kommt auf
der Ebene der Morphologie, der Lexik und der Syntax zum Ausdruck und
spielt eine wichtige Rolle bei der Bestimmung und Charakterisierung des
Handlungsortes, der Personen und ihrer Beziehungen.
Expressivität. Die Behandlung der Expressivität eines Textes stellt die
wichtigste Arbeitsetappe der TI dar. Es wird dabei der Versuch unternom-
men, die Funktionen und die stilistische Leistung der entsprehenden Stil-
mittel zu bestimmen bzw. die wichtigste Frage zu beantworten: welches
Wort in welchem Zusammenhang mit welcher Absicht und Wirkung geb-
raucht wird. Expressivität bzw. Bildkraft verleihen dem Text Wortwahl bzw.
expressive Lexik und Mittel des bildlichen Ausdrucks.
Wortwahl bildet die lexikalische Grundlage eines Textes. Dabei soll auf
folgende Aspekte und ihre Rolle im gegebenen Text eingegangen werden:
• thematische, synonymische Reihen
• kontextuelle Synonyme
• Archaismen, Fremdwörter
• Fachwortschatz, Terminologie
• Dialektismen, Jargonismen
• Wortbildungsmittel
• Okkasionalismen
• Wirkungsmöglichkeiten der Wortarten ect.
Zu den Mitteln des bildlichen Ausdrucks rechnen wir sowohl lexikalisch-
stilistische als auch syntaktisch-stilistische Mittel. Lexikalisch –stilistische Mittel
umfassen phonetische, morphologische und lexikalische Mittel, die als Ma-
terialbasis der stilgestalterischen Arbeit dienen. Dazu gehören unter ande-
rem:
• Alliteration
• Elision
• expressive Verben
• Epitheta
• Vergleiche
• Periphrase
• Metonymie, Methapher, Synästesie, Synekdoche
• Litotes, Euphemismus, Hyperbel, Personifikation
• Zeugma, Chiasmus, Oxymoron
• Allegorie, Symbol usw.
Zu den syntaktisch-stilistische Mitteln gehören syntaktische Mittel, die
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stilgestalterisch wirken. Sie treten im Text als Mittel der Hervorhebung auf.
Dazu zählt man:
• Aufzählung
• Wiederholung
• Ausklammerung
• Prolepse, Nachtrag
• Antithese (Opposition)
• Apposition
• Reduplikation, Inversion
• Ausrufesätze, Fragesätze, rhetorische Fragen, Abbruch, Ellipse usw.
Bei der Erläuterung der Expressivität ist auch zu beachten, ob der ganze
Text im gleichen Maße expressiv ist, wie ist die Wirkung der Stilmittel im
Textzusammenhang und in verschiedenen Arten der Rededarstellung. Tex-
tgestaltend und expressiv kann auch die Wahl der Zeitformen wirken. Zu
berücksichtigen sind auch Mittel des Humors und der Satire.
Zu den Mitteln der Emotionalität gehört emotional gefärbte Lexik:
• Verba dicendi
• abstrakte Substantive bzw. Zustandssubstantive
• Interjektionen
• Kosenamen
• Pejorativa
• Schimpfwörter u . a .
Bei den künstlerischen Texten haben wir mit dem schriftlichen Spra-
chausdruck zu tun. Der Unterschied zwischen dem schriftlichen und mündli-
chen Sprachausdruck soll bei der TI nicht vergessen werden.
Der häufigste Fehler, der bei der TI vorkommt, ist die Isolierung der
Aspekte des Textes: Inhalt und Form werden von einander getrennt analy-
siert. Die linguostilistische Interpretation soll aber alle Aspekte als ein Gan-
zes zeigen. Das kann vereinfacht auf folgende drei Fragen reduziert wer-
den:
Was? sagt der Autor = Komposition, Architektonik
Wie? sagt es der Autor = Darstellungsart, Rededarstellungsart
Stilfärbung, Expressivität, Emotionalität usw.
Warum? sagt es der Autor = kommunikativ- stilistische Wirkung
Dieses reduzierte Interpretationsschema kann man erfolgreich auch auf
die Interpretation der einzelnen Textabschnitte und sogar Sätze anwenden.
Obwohl die deutsche Sprache reich an Ausdrucksmitteln und-möglich-
keiten ist, kann kein Text allen aufgezählten Textmerkmalen gerecht wer-
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den. Den Lernern soll vermittelt werden, die für den gegebenen Text spe-
zifischen Textmerkmale herauszugreifen und sie als Ausgangsbasis der TI
zu verwenden. Das kann dazu verhelfen, dass am Text nicht vorbeigelesen
wird. Die Reihenfolge der Interpretationsschritte ist frei.Wichtig ist, dass der
Interpret den sprachlich-stilistischen Reichtum und dessen Verwendung so-
wie Zusammenhang und Funktionen als Ganzes versteht.
Texte und Aufgaben zur linguostilistischen TI
Text 1
Th. Mann: Buddenbrooks (Auszug)
,,Was ist das.-Was ist das...“
„Je, den Düwel ook, c’est la question, ma tres chere demoiselle!“
Die Konsulin Buddenbrook, neben ihrer Schwiegermutter auf dem ge-
radlinigen, weißlackierten und mit einem goldenen Löwenkopf verzierten
Sofa, dessen Polster hellgelb überzogen waren, warf einen Blick auf ihren
Gatten, der in einem Armsessel bei ihr saß, und kam ihrer kleinen Tochter
zu Hilfe, die der Großvater am Fenster auf den Knien hielt.
„Tony!“ sagte sie, ,,ich glaube, daß mich Gott-“
Und die kleine Antonie, achtjährig und zartgebaut, in einem Kleidchen
aus ganz leicht changierender Seide, den hübschen Blondkopf ein wenig
vom Gesichte des Großvaters abgewandt, blickte aus ihren graublauen
Augen angestrengt nachdenkend und ohne etwas zu sehen ins Zimmer
hinein, wiederholte noch einmal:,,Was ist das“, sprach darauf langsam:,,Ich
glaube, daß mich Gott“, fügte, während ihr Gesicht sich aufklärte, rasch
hinzu:,,-geschaffen hat samt allen Kreaturen“, war plötzlich auf glatte Bahn
geraten und schnurrte nun, glückstrahlend und unaufhaltsam, den ganzen
Artikel daher, getreu nach dem Katechismus, wie er soeben, Anno 1835,
unter Genehmigung eines hohen und wohlweisen Senates, neu revidiert
herausgegeben war. Wenn man im Gange war, dachte sie, war es ein
Gefühl, wie wenn man im Winter auf dem kleinen Handschlitten mit den
Brüdern den ,, Jarusalemsberg“ hinunterfuhr: es vergingen einem gerade-
zu die Gedanken dabei, und man konnte nicht einhalten, wenn man auch
wollte.
,,Dazu Kleider und Schuhe“, sprach sie, ,,Essen und Trinken, Haus und
Hof, Weib und Kind, Acker und Vieh...“ Bei diesen Worten aber brach der
alte Monsieur Johann Buddenbrook einfach in Gelächter aus, in sein helles
verkniffenes Kichern, das er heimlich in Bereitschaft gehalten hatte. Er lachte
vor Vergnügen, sich über den Katechismus mokieren zu können, und hatte
wahrscheinlich nur zu diesem Zweck das kleine Examen vorgenommen. Er
erkundigte sich nach Tonys Acker und Vieh, fragte, wieviel sie für den Sack
Weizen nähme, und erbot sich, Geschäfte mit ihr zu machen. Sein rundes,
rosig überhauchtes und wohlmeinendes Gesicht, dem er beim besten Wil-
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len keinen Ausdruck von Bosheit zu geben vermochte, wurde von schnee-
weiß gepudertem Haar eingerahmt, und etwas wie ein ganz leise ange-
deutetes Zöpflein fiel auf den breiten Kragen seines mausgrauen Rockes
hinab. Er war, mit seinen siebenzig Jahren, der Mode seiner Jugend nicht
untreu geworden; nur auf den Tressenbesatz zwischen den Knöpfen und
den großen Taschen hatte er verzichtet, aber niemals im Leben hatte er
lange Beinkleider getragen. Sein Kinn ruhte breit, doppelt und mit einem
Ausdruck von Behaglichkeit auf dem weißen Spitzenjabot.
Alle hatten in sein Lachen eingestimmt, hauptsächlich aus Ehrerbietung
gegen das Familienoberhaupt. Madame Antoinette Buddenbrook, gebore-
ne Duchamps, kicherte in genau derselben Weise wie ihr Gatte. Sie war
eine korpulente Dame mit dicken weißen Locken über den Ohren, einem
schwarz und hellgrau gestreiften Kleide ohne Schmuck, das Einfachheit und
Bescheidenheit verriet, und mit noch immer schönen und weißen Händen,
in denen sie einen kleinen, sammetnen Pompadour auf dem Schoße hielt.
Ihre Gesichtszüge waren im Laufe der Jahre auf wunderliche Weise denje-
nigen ihres Gatten ähnlich geworden. Nur der Schnitt und die lebhafte
Dunkelheit ihrer Augen redeten ein wenig von ihrer halb romanischen Her-
kunft; sie stammte großväterlicherseits aus einer französisch-schweizeris-
chen Familie und war eine geborene Hamburgerin.
Ihre Schwiegertochter, die Konsulin Elisabeth Buddenbrook, eine gebo-
rene Kröger, lachte das Krögersche Lachen, das mit einem pruschenden
Lippenlaut beg


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